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 | Tourendetails Chli Schärhorn 3232m NE-Flanke, Gross Schärhorn 3297m |
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Tourenart | Alpine Skitour |
Datum | 26.05.2017 |
Region | |
Kartennummer | 1192 Schächental, 1193 Tödi, 246 S Klausenpass |
Link zum Kartendienst |  |
Anforderung | SS 5.1/E1 |
Besucherandrang | Schwach frequentiert |
Gletscher | Spaltenarmer Gletscher |
Kondition | A |
Distanz | 19.4km
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Höhenmeter | 2200m 2200m |
Lawinenbulletin | gering (siehe Slf-Archiv) |
Exposition | NE |
Gipfel erreicht? | Ja |
Bewertung (Erlebniswert) | Deluxe! |
Beschreibung | Chli Schärhorn 3232m NE-Flanke, Gross Schärhorn 3297m
(Gross Schärhorn 3297m links, Chli Schärhorn 3232m NE-Flanke rechts || aus anderer Perspektive)
//Motivation
Angefixt von der Abfahrt durch die Gwächtenhorn 3404m NE-Wand wollte ich die guten Verhältnisse nutzen, um am Chli Schärhorn 3232m eine weitere Steilwandabfahrt unter die Ski zu nehmen. Da der Klausenpass unterdessen offen war, würde sich die Zustiegszeit deutlich verringern, und sich die Option ergeben, gleich noch das Gross Schärhorn 3297m anzuhängen. Den Abstecher auf den Clariden 3267m würde ich dieses Mal weglassen, denn ich hatte diese Woche schon genügend Höhenmeter gesammelt und lief bereits auf dem Zahnfleisch.
(In der NE-Wand... || ...und auf dem Gipfel)
//Tour
Da ich wohl keine drei Stunden vom Klausenpass auf den Gipfel brauchte, musste ich die Startzeit entsprechend anpassen. Wollte heissen, dass ich nicht vor 06:30 Uhr starten brauchte. Der einzige Nachteil bestand darin, dass ich bereits zwei Kurven unterhalb des Passes (auf der Glarner Seite) parkieren musste, da der Pass bis oben hin bereits mit hunderten Autos gefüllt war.
Die Zusatzmeter waren schneller hinter mir, und so schritt ich voraus Richtung Chammli und Griessbödemli. Das kleine Schärhorn leuchtete im Morgenlicht. Es gab eine kurze Tragepassage, das störte aber nicht weiter. Die Steilstufe hinauf zur Chammlilücke war hart bis eisig; die Harscheisen waren für einmal unentbehrlich. Ich entschloss mich im steilsten Abschnitt die Ski aufzubinden und zu Fuss hochzusteigen. Die Steigeisen liess ich im Sack, ich hatte diesen Winter schon viele Portagen in diesem Stil geübt und fühlte mich wohl. Die Taktik war aufgegangen, rasch hatte ich die Crux passiert und konnte den Anstieg schon bald mit Ski fortsetzen.
Noch vor der Chammlilücke Pkt. 2833m schwenkte ich nach rechts (SW) und hielt auf das Chli Schärhorn 3232m zu. Nun war ich auf mich alleine gestellt. In der Nordostflanke waren keine Spuren zu sehen. Schon irgendwie erstaunlich, da sich dieser Berg ja nur wenige Meter neben seinem grossen Nachbarn befand, und jener bekam am heutigen Tag von Hunderschaften Besuch.
Auf ca. 2970m war Schluss mit Ski, ich band diese auf den Sack, montierte die Steigeisen, nahm den Pickel zur Hand und begann mit dem Fussaufstieg durch die steile Firnflanke. Der Schnee war bereits sehr weich und ich sank teilweise bis zu den Knien ein, nach kurzem Zögern wollte ich trotzdem weiterzugehen. Der Schnee wurde dann auch besser und ich fand bisweilen besten Trittschnee. Im obersten Abschnitt wählte ich eine direkte Linie um auf den Ostgrat zu gelangen, diese Stelle war mindestens 50° steil und mit einer eisigen Kruste bedeckt, hier würde ich mit den Ski bestimmt nicht runterfahren. Anschliessend legte sich das Gelände zurück und ich erreichte den Grat. Ich folgte diesem nach rechts (W) bis zum äussersten Punkt ohne Kreuz, dies musste der Gipfel sein.
(Tolle Sicht auf Chammliberg 3214m und Clariden 3267m || Chli Schärhorn 3232m NE-Flanke)
Ich genoss die Aussicht auf den Hüfifirn und die umliegenden Gipfel. Auf dem Grossen Schärhorn waren bereits die ersten Gipfelaspiranten eingetroffen. Der Nordwestgrat war grössenteils aper und sah eigentlich nicht sehr schwierig aus, diese Variante wollte ich mir für später aufheben. Denn heute war ich für die Skiabfahrt gekommen, und so machte ich mich bereit und begann zu fokussieren.
Die ersten Schwünge mussten sitzen und das taten sie auch. Der Schnee war perfekt aufgefirnt und nicht zu weich, und so konnte ich bei idealen Verhältnissen die steile Nordostflanke runtercruisen. Skifahren konnte manchmal so einfach sein. Am Wandfuss angelangt machte sich ein weiterer Tourengänger daran den Gipfel zu erklimmen, in Anbetracht der Wärme war er m.E. bereits etwas spät dran. Allerdings wollte er dann über den Nordwestgrat gleich weiter zum Gross Schärhorn und nicht die Flanke runterfahren.
Ich fuhr runter bis zur Chammlilücke, und nach einer kurzen Pause nahm ich den Anstieg Richtung Gross Schärhorn 3297m in Angriff. Nun befand ich mich wieder in der Autobahn und begann das Feld von hinten aufzurollen. Der direkte Anstieg über den Nordostsporn sparte viel Zeit (anstatt diesen zu umrunden), und so erreichte ich nach einer halben Stunde bereits das stark bevölkerte Skidepot. Über den Grat, einer tiefen Spur folgend, gelangte ich schliesslich zum Gipfelkreuz. Ich blickte hinüber zum Chli Schärhorn und konnte sehen, dass der andere Tourengänger ebenfalls den Gipfel erreicht hatte.
Mit der nötigen Vorsicht stieg ich zurück zum Skidepot (die Steigeisen blieben im Sack) und machte mich sogleich an die Abfahrt. In bestem Firn rauschte ich dem Hüfifirn entgegen, mit einem Sprung überwand ich den Bergschrund und gelangte in der Folge auf's flache Gletscherplateau. Nun hiess es ein letztes Mal anfellen und unter der gleissenden Sonne zum Chammlijoch Pkt. 3004m ansteigen, damit ich anschliessend auf der Claridenroute (via Iswändli) abfahren konnte. Ich zog diese Variante und den damit verbundenen Anstieg zum Chammlijoch einer Abfahrt via Chammlilücke und Griessbödemli vor, denn dort würde ich ebenfalls einige kleinere Anstiege und mühsame Querungen antreffen.
Ich umrundete somit das Chammlihoren und gelangte wenig später hinauf zum Joch. Am Clariden war immer noch viel Betrieb, doch ich verwarf den Gedanken den Gipfel schliesslich auch noch mitzunehmen. Der Schnee wurde zunehmend schwerer, doch die Abfahrt war trotzdem noch ganz ordentlich. Ich nutzte die letzten Schneeresten, und konnte so, etwas nach Osten haltend, bis unmittelbar vor mein Auto abfahren.
//Fazit:
Eine gelungene Aktion und ein würdiges Finale der Skitourensaison 2016/2017! Nun fehlen mir eigentlich nur noch der Chammliberg 3214m oder die Tödi 3613m Westflanke im Gebiet, und so freue ich mich bereits auf die nächste Wintersaison!
(Kontraste || Gross Schärhorn 3297m Ostflanke)
//Facts Chli Schärhorn 3232m NE-Wand:
Höhe: 300m, 45-50° steil (je nach Routenwahl). Vorsicht vor dem Bergschrund. Skischwierigkeit 5.1/E1. Die Wand bekommt sehr früh Sonne. Der Schnee wird dementsprechend rasch umgewandelt (zum Guten oder zum Schlechten), und man sollte bei warmen Temperaturen nicht zu spät dran sein.
//Facts:
- Route: Klausenpass Siwboden - Klausenpass - Chammli - Griessbödemli - Griessgletscher - Hüfifirn - Chli Schärhorn - Hüfifirn - Gross Schärhorn NE-Sporn - Gross Schärhorn - Hüfifirn - Chammlijoch - Iswändli - Chrächen - Klausenpass Siwboden.
- Distanz: 19.4km
- Höhenmeter: 2160m
- Schnittpuls: 119bpm
- Maxpuls: 139bpm
- Verpflegung: 1 Powerbar, 1l Iso
- Ausrüstung: Steigeisen, 1 Pickel, Harscheisen
//Die Zeiten:
- Start Klausenpass (Siwboden) 1850m um 06:23 Uhr.
- Zwischenzeit Chli Schärhorn 2975m (Start Portage) um 08:30 Uhr.
- Ankunft Chli Schärhorn 3232m um 09:03 Uhr.
- Start Chli Schärhorn 3232m um 09:13 Uhr.
- Ankunft Hüfifirn 2760m um 09:21 Uhr.
- Start Hüfifirn 2760m um 09:25 Uhr.
- Ankunft Gross Schärhorn 3297m um 10:07 Uhr.
- Start Gross Schärhorn 3297m um 10:10 Uhr
- Ankunft Hüfifirn 2800m um 10:25 Uhr.
- Start Hüfifirn 2800m um 10:27 Uhr.
- Ankunft Chammlijoch Pkt. 3004m um 10:52 Uhr.
- Start Chammijoch Pkt. 3004m um 10:56 Uhr.
- Ankunft Klausenpass (Siwboden) 1850m um 11:13 Uhr.
--> Total ohne Pausen: 4:24
--> Total mit Pausen: 4:52
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GPS-Profile
GPS-Tracks
Wegpunkte
Die Wegpunkte der gesamten Tour können hier heruntergeladen werden (gpx file).
Bemerkungen:
Die Chli Schärhorn Nordostflanke bekommt bereits sehr früh Sonne. Für die Besteigung sind Steigeisen und ein Pickel ausreichend.
Für den Fussaufstieg zum Gross Schärhorn sind je nach Verhältnissen ebenfalls Steigeisen und Pickel angebracht.
Weitere Berichte vom Schärhorn findet man hier: klick!
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