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 | Tourendetails Engelhörner (Gagelfänger, Silberfinger, Räubereggä, Liftwing Left) |
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Tourenart | Sportklettern |
Charakter | Mehrseillängen-Tour |
Kletterstil | Vertikal |
Datum | 01.07.2007 |
Region | |
Kletterführer | Schweiz extrem West 2010 / Schweiz plaisir West / Sportklettern Berner Oberland |
Koordinaten | 658459 / 169077 |
Link zum Kartendienst |  |
Gestein | Kalk |
Anforderung | Fels
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Ernsthaftigkeit |  |
Absicherung |  |
Besucherandrang | Mässig frequentiert |
Zu- oder Abstieg | Teilweise Fussabstieg, aber auch abseilen und abklettern |
Kondition | A |
Exposition | S-SW |
Meereshöhe | 2000 m.ü.M. |
Ideale Zeit | Frühsommer - Herbst |
Gipfel erreicht? | Ja |
Bewertung (Erlebniswert) | Deluxe! |
Vergleichstouren | Für Silberfinger: z.B. Excalibur (1. Sl ab Band) |
Beschreibung | Engelhörner 30.06./01.07.2007, mit Martine
(Kingspitz 2621m NE-Wand, im Hintergrund das Wellhorn 3191m)
Am Freitag Abend, nach dem kleinen Exkurs ins Lammi (siehe Bericht), auf die Rychenbachalp Pkt. 1575m hochgefahren (Taxe, CHF 15.-- ist auf der Rychenbachalp erhältlich) und gleich beim Parkplatz unser Zelt aufgeschlagen.
Samstag, 30.06.2007
Sind gegen 07.00 Uhr Richtung Engelhornhütte 1901m aufgebrochen, welche wir in ca. 40 Minuten erreichten. Dort waren wir mit Marcel und Kathrin verabredet um das weitere Tagesprogramm zu besprechen: Wir wollten die ersten vier Seillängen vom Gagelfänger klettern, um an den Wandfuss des Gross Simelistocks 2481m zu gelangen, und dann weiter in den Silberfinger, den Extrem-Klassiker schlechthin, welcher in acht hervorragenden Seillängen auf den Gross Simeler führt.
Nun denn, genug der Worte, nun folgten die Taten :-) In wenigen Minuten ins Ochsental hochgewandert, bis zum Einstieg vom
Gagelfänger 6b, 6a obl. (***).
- 1. Sl. 4b: Hopp und zack.
- 2. Sl. 5c: Zuerst schöne Plattenkletterei, gegen Schluss dann etwas steiler und anspruchsvoller.
- 3. Sl. 5a: Schöne, relativ kurze Seillänge.
- 4. Sl. 6a: Sehr schöne, feingriffige Kletterei, die Crux (Stehproblem und sehr feine Griffe) dann sogar ziemlich anspruchsvoll!
Nun die Route nach rechts verlassen und durch ein Couloir zum Einstieg vom Silberfinger hochgelatscht, ca. 30 Minuten. Um 10.50 Uhr sind wir in die Route eingestiegen (Kleine Bemerkung: Der Silberfinger wurde 2002 auf den ersten 5 Seillängen saniert, d.h. das alte Material wurde gegen neues ausgewechselt, die Absicherung entspricht nachwievor NICHT dem Plaisir-Standard - und 6a+ obl. ist wohl auch etwas untertrieben..!).
Silberfinger, 6b+, 6a+ obl. (****)
Der Silberfinger ist einer der bekannten Extremklassiker in den Engelhörnern (am Gross Simelistock 2482m). Erstbegehung Mitte der 80er Jahre durch das Duo Ochsner/Ulrich. Es handelt sich um Steilplattenkletterei in fantastisch rauhem, strukturiertem Kalk. Obwohl weitgehend mit Klebehaken ausgerüstet, ist wegen den teilweise grossen Hakenabständen eine stabile Psyche gefragt.
(Die Route Silberfinger führt im oberen Teil durch die vermeindlich glatte, silbrige Platte auf die Schulter des Gr. Simelers)
- 1. Sl. 6a: Schon gleich eine sehr schöne, lange und anspruchsvolle Seillänge: Auf den ersten Metern Steilplattenkletterei an feinen Griffen, mit einer kniffligen Einzelstelle. Der zweite Teil ist einfacher und bietet schönste Kletterei an grossen Löchern.
- 2. Sl. 5c+: Sehr schöne Pfeilerkletterei (links von einem Riss) mit einigen Runouts, ein Klemmkeil oder Friend zwischendurch als Balsam für die Psyche. Der Standplatz dann ziemlich hart rechts, ev. die letzte Zwischensicherung vor dem Stand verlängern und gleich noch die 3. Seillänge anhängen.
- 3. Sl. 5a: Kurzer relativ leichter Quergang nach rechts, um an die Knallerplatte zu gelangen.
- 4. Sl. 6b: Super geniale Steilplattenkletterei an teilweise guten, zT. aber auch an sehr kleinen Griffen, die Crux (man finde die feinen Leisten) kurz vor dem Stand.
- 5. Sl. 6b: Fantastische Steilplattenkletterei an feinen Leisten, die Crux beim 4. Bh: ich bin da rechts herum an Micro-Leisten um habe einen Pendelabgang riskiert, ev. aber auch direkt möglich? Die Stelle kann aber A0 beschissen werden... Anschliessend dann wieder etwas bessere Griffe, dafür dann aber deftige Runouts bis zum Stand - verlangt eine gute Psyche!
- 6. Sl. 3a: Verbindungsseillänge auf dem Grat, von der Schulter bis an den Finger sozusagen - habe hier leider den Standplatz vom Silberfinger verpasst (es müsste von einem Ringbohrhaken ca. 20m nach links/nord an den Fuss der Platte abgeseilt werden), somit die 7. Seillänge dann nicht nach Topo begangen - zum Glück: Gemäss Marcel sei die Seillänge in sehr schlechtem Zustand (verrostete, bald 25 Jahre alte 8mm-Selbstbohrdübel)!
- 7. Sl. 6a+: Vom Bloc (Stand an zwei Plättli mit Kette) psychisch einen Kamin hoch, bis man dann nach ca. 10m den ersten Bh einhängen kann, anschliessend dann etwas verwegen einem Risssystem entlang (Leubner-Riss), mindestens ein Friend ist zur vernünftigen Absicherung zwingend. Zum Schluss dann eine knackige Plattenquerung nach links (gut gesichert) bis zum Stand (wieder der vom Silberfinger).
- 8. Sl. 5b: Letzte Seillänge, welche direkt auf den Gipfel des Gross Simelers 2482m führt - etwas brüchig und spärlich abgesichert (2-3 Bh), auch hier waren einige Friends hilfreich. Das Gipfelbuch befindet sich einige Meter weiter hinten auf der Ostseite.
Um 15.20 Uhr erreichten wir den Gipfel, genossen die prächtige Kulisse, das Zmittag und die innere Zufriedenheit und Ruhe, eine ordentliche Leistung (Onsight-Begehung) vollbracht zu haben.
Gegen 16.00 Uhr beginnen wir dann mit der Abseilfahrt: 1x20m (an einem Bh!) und 2x50m bringen uns schnell wieder an den Wandfuss des Gross Simelers, nun gilt es nur noch den mühsamen Fussabstieg zu bewältigen. Auf Schutt, Gras und abwärtsgeschichteten Platten zuerst zur Vorderspitze hinüberqueren (nach links im Sinne des Abstiegs), danach weiter hinunter bis ans obere Ende der 3. Rinne (jene ganz links im Sinne des Abstiegs, Steinmann) absteigen, und hier kann dann zum Glück noch einmal abgeseilt werden. Geschafft, um 18.00 Uhr waren wir zurück in der Engelhornhütte und konnten uns mit Bier und Panaché erfrischen. Anschliessend dann ein sehr feines Znacht, ein grosses Lob und Dankeschön ans Hüttenteam!
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Sonntag, 01.07.2007
Am Sonntag, nach einer angenehmen (schnarchfreihen) Nacht und einem ausgiebigem Zmorge, in ca. 30 Minuten zur Südwand des Rosenlauistocks hochgewandert. Um 09.00 Uhr sind wir eingestiegen in die Räubereggä.
Räubereggä, 6c, 6b+ obl. (****)
Die Route wurde im Jahr 2002 von Kaspar Ochsner im Alleingang eingerichtet. Steile, athletische Kletterei in fantastischem Wasserlochfels, human bewertet und perfekt abgesichert (wie auch die Kadenz, siehe Bericht).
- 1. Sl. 6b: Kurze Seilänge, die Crux (Einstiegsboulder) gleich zu Beginn (A0 möglich), Stand an einer Sanduhr (Schlinge).
- 2. Sl. 6c: Schöne Kletterei an teilweise sehr feinen Griffen (etwas brüchig), die Crux (sehr feingriffig und kompakt!) bei den 3 letzten Bh.
- 3. Sl. 6b+: Sehr schöne Kletterei an messerscharfen Tropflöchern!
- 4. Sl. 6b+: Sehr schöne Kletterei mit exponiertem Quergang nach rechts und luftiger Kantenkletterei (inkl. Heelhook) vor dem Stand, hammermässig!
- 5. Sl. 6c: Schöne Ausstiegseillänge an meist guten Griffen (machmal etwas brüchig), würde ich eher leichter bewerten als 6c.
Nun kann entweder über die Kadenz abgeseilt, oder die letzten Meter am laufenden Seil auf den Gipfel gestiegen werden. Wir hatten uns für letztere Variante entschieden, da das Wetter noch immer stabil war (der Wetterdienst hatte teils heftige Gewitter für Nachmittag prognostiziert), und wir auch noch die 4-Seillängen-Tour Liftwing Left angehen wollten.
Um 12.00 Uhr erreichten wir den Hauptgipfel des Rosenlauistocks 2198m. Nach einer kurzen Mittagspause mit dem obligatorischen Gipfelbucheintrag, auf der NE-Seite des Rosenlauistocks abgestiegen (zuerst einige Meter abklettern, heikel!), und weiter nach Süden auf Wegspuren zum Einstieg der Route Liftwing Left, welche wir sogleich in Angriff nahmen:
Liftwing Left, 6b, 6a obl. (****)
Meist steile, athletische Kletterei an grossen Griffen, perfekt abgesichert. Nur die 1. Seillänge verlangt eine gute Fusstechnik.
- 1. Sl. 6a: Sehr schöne aber anspruchsvolle Plattenkletterei, würde ich eher als 6a+ bewerten.
- 2. Sl. 6a: Schöne, ziemlich steile Seillänge (Quergang nach links) an guten bis sehr guten Griffen.
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Hier kurz überlegt, ob wir nun abseilen (Standplatz zum abseilen eingerichtet, 1x50m um an den Wandfuss zu gelangen), oder das Risiko, ins Gewitter zu kommen, in Kauf nehmen sollten. Richtig geraten, wir konnten es nicht lassen die Route zu Ende zu klettern, die letzten beiden Seillängen sahen sehr vielversprechend aus!
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- 3. Sl. 6a: Super steile und athletische Kletterei an Töffgriffen, beinahe Wenden-Feeling, genial!
- 4. Sl. 6b: Super steile und athletische Kletterei an guten Griffen, die Crux dann aber kleingriffig und anstrengend.
Für die 4 Seillängen benötigten wir knapp 90 Minuten. Nun erneut am laufenden Seil auf den Hauptgipfel gestiegen, einmal mehr auf der NE-Seite abgeklettert, das Tal nach Süden auf Wegspuren abgestiegen bis zur Abseilstelle (Muniring, auf der Höhe vom Einstieg zu Liftwing Left), 1x 50m abgeseilt und zurück zum Einstieg der Räuberecke gejagt. Bereits hörten wir das Donnergrollen, hinter dem Wellhorn war es rabenschwarz, es würde auf jede Minute ankommen. Somit sind wir so schnell wie möglich weiter abgestiegen, um den Rosenlauistock herum- und zurück zur Hütte gerannt, 16.00 Uhr. Kaum dort angekommen und im Trockenen, da fing es auch schon an zu schütten. Bei einem Kafi Kingspitz konnten wir genüsslich zusehen, wie sich der Himmel entleerte, ein tolles Gefühl es reichtzeitig geschafft zu haben!
Nach einer halben Stunde war der Spuk dann schon wieder vorbei und die Sonne kam hervor, somit konnten wir nun gemütlich, mit etwas wakligen Beinen, den Abstieg zur Rychenbachalp antreten.
War einmal mehr ein tolles Wochenende in den Engelhörnern, wir kommen bestimmt wieder!
Bemerkungen:
Sonne an den süd-westseitig exponierten Wänden des Gross- und Klein Simelers erst ab ca. 11.00 Uhr. Auch an der Südwand des Rosenlauistocks scheint die Sonne nicht vor 11.00 Uhr.
Der Band Sportklettern im Berner Oberland von Hans Grossen ist seit 2010 im Buchhandel erhältlich, doch kam er mir erst kürzlich zwischen die Finger. Das Buch ist liebevoll gemacht und beschreibt nebst den bekannten Klettergebieten (wie den Engelhörnern) auch viele unbekannte Gebiete, versorgt den Leser mit vielen Hintergrund- und Detailinformationen, befasst sich mit der Erschliessungsgeschichte und stellt lokale Klettergrössen vor. Es ist jedem zu empfehlen, der im Berner Oberland gerne Fels unter die Finger kriegt, und nebst Routen konsumieren auch noch historisches zum Gebiet erfahren möchte.
Im Auswahl-Kletterführer Klettern in der Schweiz von Matteo della Bordella, welcher seit 2012 im Buchhandel erhältlich ist, sind die wichtigsten und bekanntesten, aber auch weniger bekannten Klettergebiete der Schweiz enthalten. Beschrieben werden sowohl Mehrseillängenrouten als auch Baseclimbs in verschiedenen Klettergärten, die Schwierigkeitsbereich der Wege reicht von mittleren bis zu höchsten Graden. Darin sind natürlich auch die Engelhörner enthalten.
Weitere Berichte zu Klettertouren in den Engelhörnern auf chmoser.ch.
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Bewertung (Klettertour) | * = Wenn man nichts Besseres zu tun hat! ** = Nicht sehr interessante Route *** = Schöne Route, empfehlenswert! **** = Sehr schöne Route, nicht zu versäumen! |
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