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 | Tourendetails Wendenstöcke - Millenium |
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Tourenart | Sportklettern |
Charakter | Mehrseillängen-Tour |
Kletterstil | Vertikal |
Datum | 13.09.2007 |
Region | |
Kletterführer | Schweiz extrem West / Sportklettern Berner Oberland |
Koordinaten | 673497 / 179550 |
Link zum Kartendienst |  |
Erstbesteigung | Kaspar Ochsner (im Alleingang), 1999 |
Gestein | Kalk |
Anforderung | Fels
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Ernsthaftigkeit |  |
Absicherung |  |
Besucherandrang | Mässig frequentiert |
Zu- oder Abstieg | Abseilpiste vorhanden |
Kondition | A |
Höhenmeter | 500m
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Exposition | S |
Meereshöhe | 2400 m.ü.M. |
Ideale Zeit | Juli - September |
Sonne |  |
Gipfel erreicht? | Ja |
Bewertung (Erlebniswert) | Deluxe! |
Bilder (© Chris & Marcel) | Zum Fotoalbum |
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Beschreibung | Millenium 7b, 6b obl., 15 Sl (****), am Reissend Nollen, mit Marcel
Reissend Nollen Arena - Linker Wandteil (u.a. Batman, Pain Killer) u. Rechter Wandteil (u.a. Caminando, Millenium)
Start um 0630 Uhr auf der Wendenalp 1603m. Über die Glogghüser in ca. 90 Minuten bis an den Wandfuss (ca. 2400m), zum Schluss in leichter Kletterei über Platten, teilweise gesichert mit Fixseilen. Nach einigem suchen schlussendlich den Einstieg gefunden (markiert mittels Bohrmaschinen-Graffity). Um 08.30 Uhr sind wir in die Route eingestiegen.
1. Sl. 5c: Schöne Kletterei an Wasserrillen zum aufwärmen, spärlich abgesichert (3 Bh.)
2. Sl. 5a: Schöne Wasserrillenkletterei.
3. Sl. 5c+: Schon etwas anspruchsvollere Kletterei bis zur markanten Naht, knifflige Einzelstelle (Aufschwung).
4. Sl. 6c: Anhaltende und homogene Seillänge in kompaktem Fels, die Crux bildet die Querung nach rechts unter dem kleinen Vorsprung, an kleinen Griffen und etwas runden Löchern.
5. Sl. 7a+: Gleich zu Beginn muss athletisch ein erster Dachriegel übewunden werden, vor allem dann der Ausstieg auf die Platte ist relativ schwierig (p.a.). Anschliessend dann aber wieder sehr homogene und kleingriffige Wandkletterei.
6. Sl. 6c: Sehr homogene, technische und kleingriffige Wandkletterei.
7. Sl. 6b+: Zu Beginn eine verzwickte Querung nach links an die Schuppe, anschliessend anhaltende und anspruchsvolle Wandkletterei. Die Crux gegen Schluss, ein kleiner Aufschwung muss überwunden werden (technisch). Würde diese Seillänge ebenfalls mit 6c bewerten, sie ist kaum leichter als die vorhergehenden.
8. Sl. 6c: Auf den ersten Metern sehr kompakt, danach gehts athletisch und an guten Griffen steil über ein Dach, super!
9. Sl. 6b+: Der zweite Teil des Dachs wird grossgriffig überwunden (Bierhenkel), anschliessend in gewohntem Stil (kleingriffig und kompakt) bis aufs Biwakband.
>> Sl. 8 u. 9 können zusammengehängt werden (15 Express!)
10. Sl. 7a: Nun muss ein zweiter, grosser Dachriegel überwunden werden: In athletischer Kletterei, an guten Griffen (man finde den Untergriff) überwindet man den Ueberhang (es stecken viele Bh), anschliessend folgt sehr schöne Wandkletterei an meist guten bis sehr guten Griffen.
11. Sl. 6b+: Super schöne und anhaltende Kletterei in zerfetzig scharfem Fels.
12. Sl. 7b: Ein dritter Dachriegel muss in athletischer Kletterei überwunden werden - glücklicherweise machen einem die geringen Hakenabstände und eine fix installierte Schlinge (p.a.) das Leben leichter.
13. Sl. 6a+: Schöne, grossgriffige Wandkletterei, vor dem Stand dann in einigen athletischen Moves über einen Aufschwung.
14. Sl. 5c: Anspruchsvolle Kletterei an stumpfen Wasserrillen, es stecken lediglich 3 Bohrhaken, ev. zusätzlich mit ein/zwei Friends absichern.
15. Sl. 6b: Zu Beginn Piaz an einem Riss (ev. Friend 0.75), nach einer Querung nach links (Sanduhr) dann tricky und athletisch über einen Aufschwung - es wird einem nichts geschenkt, bis zum Schluss nicht...
>> Die letzte Seillänge bis auf den Gipfel verläuft zusammen mit Caminando, bei Caminando ist diese auch mit 6b+ bewertet, was ich als angebracht betrachte.
Um 1730 Uhr, nach 9 sehr anstrengenden und anspruchsvollen Stunden, konnten wir schlussendlich vor dem Gipfelsteinmann posieren. Das abseilen dauerte dann etwas länger als geplant, da sich das Seil nach dem 3. Mal abseilen (auf das Biwakband) nicht mehr abziehen liess. Da blieb nichts anderes übrig, als hochzuprusiken (dies äusserst luftig, da wir ja über ein Dach abseilten...) und das Seil zu befreien. Nach erfolgreicher Befreiungsaktion ging es dann sehr zügig hinunter zum Einstieg. Anschliessend hatten wir noch weiter abgeseilt über Spasspartout, um den nicht ganz einfachen und gefährlichen Abstieg über die Platten zu vermeiden. Das Tageslicht reichte gerade noch aus, um den letzten Abseilstand zu finden, unten angekommen war es dann komplett finster, es war 2015 Uhr.
Nun weiter abgestiegen Richtung Tal, es war zappenduster, zum Glück hatten wir die Stirnlampen dabei. Die Wegspuren hatten wir aber trotzdem bald verloren, somit sind wir dann einfach irgendwie hinunter ins Tal gelangt (dort wo auf der Karte Chalchsteine steht :-), auf dem Talboden dann irgendwann auf die Strasse gestossen, welche zurück zur Wendenalp führt. Um 21.30 Uhr waren wir zurück beim Ausgangspunkt (erstaunlich schnell wenn man bedenkt).
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Bemerkungen:
Die Route ist sozusagen dreigeteilt: Zuerst drei schöne und moderate Aufwärmseillängen bis auf den Vorbau (Wasserrillen), anschliessend sechs anhaltende, beinahe senkrechte und sehr homogene, technische und kleingriffige Reibungsseillängen in kompaktem Hochgebirgskalk (mit Ausnahme der athletischen Dachzone in der 5. Sl. 7a+). Ab dem Biwakband folgen dann mehrere schwere, athletische, überhängende Passagen und der Fels wird teilweise äusserst scharf.
Millenium ist für Wendenverhältnisse sehr gut ausgerüstet. In den athletischen, überhängenden Stellen ist die Tour beinahe klettergartenmässig abgesichert. Auf den Platten ist die Absicherung gut, dennoch gibt es dort einige zwingende Stellen zu klettern, 6b ist da wirklich die untere Grenze...
Infos zum Abseilen:
Vom Gipfel kommt man in drei Etappen aufs Biwakband (45m, 40m, 50m), wobei die dritte Etappe sehr luftig ist und man ein Auge auf das Seilende haben muss. Anschliessend über die Abseilpiste bis an den Einstieg (Start beim Schlingenstand rechts aussen: 1x30m, 1x50m und 1x30m, danach mehrere Möglichkeiten). Vom Einstieg der Millenium 1x30m abseilen (oder kurz abklettern) bis auf das Grasband. Auf dem Band nun etwas nach links absteigen (ca. 50m im Sinne des Abstiegs) bis an den Abseilstand von Spasspartout. Nun noch 3x50m über Spasspartout abseilen.
Der Herbst ist eigentlich die beste Jahreszeit, um an den Wendenstöcken zu klettern, da der berühmt-berüchtigte Wendennebel aus bleibt.
Weitere nützliche Wendeninfos (auf italienisch) gibts unter
planetmountain.com oder auf obsig.ch. In der Ausgabe 09/2010 des SAC-Heftes Die Alpen findet man ferner einen ausführlichen Bericht über die Wendenstöcke sowie eine umfassende und gegenwärtige Gebietsübersicht. Hier gehts zum Download klick!.
Der Band Sportklettern im Berner Oberland von Hans Grossen, welcher seit 2010 im Buchhandel erhältlich ist, beschreibt nebst den bekannten Klettergebieten (wie den Wendenstöcken) auch viele unbekannte Gebiete, versorgt den Leser mit vielen Hintergrund- und Detailinformationen, befasst sich mit der Erschliessungsgeschichte und stellt lokale Klettergrössen vor. Das Buch ist liebevoll gemacht und ist jedem zu empfehlen, der im Berner Oberland gerne Fels unter die Finger kriegt, und nebst Routen konsumieren auch noch historisches zum Gebiet erfahren möchte.
Weitere Berichte über Touren an den Wendenstöcken auf chmoser.ch.
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Bewertung (Klettertour) | * = Wenn man nichts Besseres zu tun hat! ** = Nicht sehr interessante Route *** = Schöne Route, empfehlenswert! **** = Sehr schöne Route, nicht zu versäumen! |
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